Umzugsvorbereitungen
Von Daren ThomasMontag, der 21.04.2003
Fastnacht ist schon lange vorbei. Umzug? Am Samstag. Sina, Punkt und ich, wir ziehen an die Austrasse 24! War in meinem letzten Artikel noch die Sorge um eine Bleibe für uns Thema, so ist jetzt alles Organisation: Wer kommt helfen? Was müssen wir noch alles vor dem Umzug erledigen? Wann gehen wir ins Hagenholz, endlich unseren Schrott loswerden? Und wie überzeuge ich Sina, dass sie mehr davon hat, als sie ahnt? Aber ich bin schon längst nicht mehr so radikal spartanisch wie vor einem Jahr, als ich mich von all meinen weltlichen Gütern lossagte, mich in mein Kämmerchen stellte und nur das nötigste drummherum. Seither habe ich ja Sina und Ruby und ein ausgefülltes Leben, das berstet vor Glück, das überläuft vor Liebe, und so kann ich auch anderen Freuden frönen: Laptop und Bücher, Portwein und MP3-Player, …?
Wir wollen aus der neuen Wohnung ein kleines Paradies machen. Budget für Pflanzen: unbeschränkt. Eine Oase hat sich Sina gewünscht und einen uralten Traum von mir geweckt. Wo kommt was hin? Seht, wir haben eine wirklich schöne Wohnung gefunden, so mit Parkett und Linoleum, Stuckaturen und Brusttaefer, Garderobe und Essaal. Einen Erker haben wir, woraus wir auf die verkehrsberuhigte Strasse (Zone 30!) schauen können. Wir werden dort womöglich alt und brauchen diesen Erker unbedingt für unseren gemeinsamen Lebensabend: Zu zweit werden wir dort sitzen, und den alten Muppets vom Balkon gleich, über die Jungen von heute und Falschparkierer wettern. Dazu möchte ich Fencheltee und Scones, das Rezept muss ich meiner Mutter noch abringen, bis jetzt heisst es nur: So wie im Rezept, nur doppelt soviel Butter und Rahm statt Milch. Das weiss ich auswendig, Mom, nur das Rezept fehlt!
Heute hat Ruby (schliesslich geht es auf dieser Site ja ausschliesslich um mein kleines Töchterchen) geweint und geweint. Wir waren mit dem Spatzenmobil an der Austrasse, es regnete, Düfte von Frühling: Warm, Blüten, Bärlauch und Lust auf das neue Jahr. Als Ruby erwachte, pieps, war sie hinter einem Regenschutz, durchsichtig zwar, jedoch abgeschnitten von unseren Berührungen, allein. Wir liessen sie weinen, weil wir nicht wollten, dass sie nass wird und erkrankt, weil wir uns schon fast zuhause wähnten, weil, wenn wir etwas schneller laufen, dann schläft sie schon wieder ein. Aber sie schlief nicht mehr ein, sondern krähte und weinkrampfte. Als wir endlich im Treppenhaus das Kind in die Arme nahmen, als sie Sina ans Herz drückte und tröstende Worte raunte, da waren dicke Tränchen auf ihren Wangen und sie sollte den ganzen Abend sich nicht wieder fassen. Es brach uns das Herz.
Gestern habe ich an der Osterparty von Kathrina und Peter nicht schlecht gestaunt, wie viele, mir unbekannte, diese Seiten hier gelesen haben. Etwas verlegen wurde ich, weil ich schon lange nichts mehr geschrieben habe, Brummbaer und Brombeeri sogar bewusst nicht publiziert hatte, weil ich glaubte, der Artikel sei zu deprimierend. Aber unsere neuen Aufgaben sind kein Zuckerschlecken und ich stehe immer mehr dazu: Manchmal sind wir einfach überfordert! Mir dämmert: Das muss den meisten, wenn nicht allen, Eltern so gehen. Was bleibt? Nur schöne Erinnerungen: Ein Lächeln, die Freude in ihrem Gesicht, wenn wir ein neues Spiel erfinden, ihr offenes Ohr für Rhythmen und Gesang, wie sie dazu tanzt, wie sie schläft, selig mit einem Schnäufchen, mit ihrem Apfelköpfchen und Fudi mit Bär hinten drauf… Und darum klebe ich noch ein paar Fotos in den Text, damit auch Ihr etwas davon habt!