Brummbär und Brombeeri
Von Daren ThomasDonnerstag, der 27.03.2003
Das tönt fast so, als seien wir unzertrennlich, ich und mein kleiner Punkt. Fakt ist aber, dass die gute Frau Sina Redmann in letzter Zeit den Laden schmiss, während der Bär vor sich hin brummte, von Frühling, müde und lustlos. Ich kam heim, liess mich bemuttern, ging früh ins Bett (weil ich ja ausgeschlafen zur Arbeit erscheinen wollte) und half so gut wie gar nicht. Warum?
![[Ruby isst Brei]](http://www.dthomas.ch/Images/BrummbaerUndBrombeeri/RubyIsstBrei.jpg)
Irgendwie habe ich einige Dinge verschlafen: Ich habe dem Franz schon lange nicht mehr geschrieben, auf dieser Site schon seit ewig keinen Artikel publiziert und mich im Haushalt kaum verdient gemacht. Das alles lähmt, bewirkt, dass ich erst recht nichts anpacke, lässt sich nur mit einem ungeheuren Ruck beenden. Darum diese Zeilen: Ruck.
Was ihr wohl gar nicht ahnen konntet: Das kleine Mädchen lernt täglich etwas dazu! Inzwischen kann sie mit dem Kopf gwackeln, Herdöpfel schlemmen, Gegenstände greifen, drehen, zum Mund führen und auf den Boden werfen. Ruby hat ein ganzes Arsenal an Geräuschen, mit denen sie sich uns mitteilt, Gesichter für spezielle Momente: Lippe, wenns nicht so läss ist, Lächeln, wenn es Sina oder mir gelingt, sich zum Affen zu machen, und ein furchtbar süsses, purpurnes Schreien, wenn es ihr bei den sieben Raben gar nicht mehr gefallen will.
![[Brummbaer und Brombeeri]](http://www.dthomas.ch/Images/BrummbaerUndBrombeeri/BrummbaerUndBrommbeeri.jpg)
Diese Woche hat Ruby sich vor mir gescheut. Immer, wenn ich sie auf den Arm nahm, fing sie an zu weinen, lief rot an, violett, laut, hässig. Es war mir irgendwie recht, da ich gerade Garp und wie er die Welt sah (John Irving) las und so das Babysitten auf die Mutter abschieben konnte. Natürlich wurde niemand so recht glücklich dabei: Sina ist chronisch übermüdet und ich habe ein sehr schlechtes Gewissen. Ich war mir schon bewusst, dass es nicht immer ein Zuckerschlecken sein würde, bin aber erstaunt, dass ich gerade an mir scheitere - woran, hingegen, sonst?
Das wirkt schon fast deprimiert… Liegt natürlich daran, dass im Raum wo ich jetzt sitze zuwenig Licht ist, sodass es sich anfühlt wie ein Regentag ohne eins zu sein, weil Regen mag ich, aber zuwenig Licht macht mich krank.
Und wir brauchen eine Wohnung - das wisst ihr aber schon alle, manche helfen bei der Suche, die anderen halten die Augen offen, aber in Zürich gibt es zur Zeit kaum Wohnungen. Wir haben auch keine 10′000.– für eine Monatsmiete. Ein Fünftel davon ist sogar oberste Grenze. Unsere Zeit hier an der Zweierstrasse läuft langsam ab und ich werde nervös: Wohin mit meiner Familie?