Vatergedanken

Von Daren Thomas
Samstag, der 15.02.2003

21. Februar 2003: Habe diesen Artikel überarbeitet. Einige Sätze mussten abgeschwächt, andere gestärkt werden. Ausserdem musste ich mir über Sinas Einwand, die Bilder stünden unmotiviert da, hätten mit dem eigentlichen Text nichts zu tun, Gedanken machen. Akzeptiert, hat aber durchaus Methode: Inzwischen sind auf dieser Site genügend Artikel, welche links ein Bild und rechts daneben etwas Text (”Links siehst Du ein Bild worauf…”), danach rechts ein Bild und links etwas Text (”Rechts siehst Du ein Bild worauf…”) und dabei siehst Du ja selber, dass links und rechts Bilder sind, worauf…

Samstag, der 15. Februar 2003, ziemlich früh am Morgen (09:28) - Sina schläft nebenan und ich habe mich davon geschlichen, allerdings nicht ohne sie zu wecken, um Dir folgende Zeilen zu schreiben. Es fällt mir wieder schwer, damit anzufangen - so lange schon habe ich mich gedrückt: Den letzten Artikel musste Sina schreiben, ich schaute phlegmatisch zu, froh, dass überhaupt jemand schreibt, voller Hoffnung, dass sie meine Schreibblockade durchbricht, dass ich das nicht selber tun müsste.

Muss ich aber. Ich fing damit an, dem Franz einen Brief zu schreiben, worin ich ihn einlud, bei uns zum Essen vorbei zu kommen. Bei Daren und Sina zu Nacht essen ist nämlich etwas wunderbares, und wenn Du noch nicht in den Genuss einer Einladung gekommen bist (oder wahrscheinlicher: Noch kein Datum abgemacht hast), so geniere Dich nicht! Ich möchte Dich an meinem Tisch!

Nicoletta, Eric und die kleine Lucy Lou waren auch schon bei uns zu Besuch.

Weil, zwei Vorsätze haben wir fürs neue Jahr: Jede Woche kommt jemand zum Essen und jede Woche schliesst sich Papa einen ganzen Tag in der Bibliothek ein und arbeitet an seinem literarischen Akzess. Wenn ich diesen Artikel fertig habe, werde ich alles über Malina lesen - aber das dauert noch. (Nachtrag: Weiss immer noch nicht alles über Malina - bin noch auf Seite 18 oder so und sehe nicht, wie ich mich jemals da durchkämpfen soll!) Natürlich bist Du wegen Ruby hier! Es gibt auch wieder neue, schöne, süsse, liebliche, kleine, nette Fotos. Und viel zu erzählen: Ruby entfaltet ihre Persönlichkeit, man kann sie richtig gerne haben, und sie nimmt Teil an unserem Leben. Ihre Umgebung interessiert sie brennend, vorallem die Menschen darin, deren Hände, Gesichter, Bewegungen und Stimmen. Mit geschlossenen Augen ziehen meine Mundwinkel nach oben: Ich sehe Rubys Lachen, Fröhlichkeit, die sich über ihr ganzes Gesicht ausbreitet, Belohnung für sich-mächtig-ins-Zeug-legen, für gekonntes Clownen - mit 23 werde ich noch herumalbern dürfen! Ein zahnloses Lachen, zwar, dafür ohne Berechnung, ohne das Grimassenhafte mancher Erwachsenen, das mich immer an in die Ecke gedrängte Schimpansen erinnert.

Dave und Mary durften Ruby mal hueten und kamen dabei ganz gross raus.

Am meisten lacht sie Sina an. Seit ich wieder arbeite ist die Mutter Bezugsperson Nummer 1 und die grösste! Dem Bären, hingegen, muss man genau auf die Finger schauen, nicht dass er hungrig wird und die kleine Maus frisst. Ruby geht schon ziemlich selbstsicher mit der Gefahr um.Letztes Wochenende waren wir wieder in Malans, bei den Grosseltern von Ruby, wo wir einen Spaziergang im Schnee mit Schlitteln und Gaudi machten. Dort habe ich diesen Link geschenkt bekommen: http://www.hallopa.ch, dem ich zwar noch nicht gefolgt bin, folglich auch nichts dazu zu sagen weiss ausser, dass ich ihn hierhin gepflastert habe so als Gedankenkrücke - ich sollte mich wohl für Papa-Sachen interessieren.

Und darum lesen wir auch “Wenn Paare Eltern werden”, weil das ist gar nicht so einfach, Eltern zu werden: Alles ist anders. So hatte ich das nicht erwartet: Ich wusste, alles würde anders werden, dachte mir aber, ich würde von einem weissglühenden Bewusstsein ausgefüllt werden, ähnlich einem Heiligenschein, Feuerzungen über meinem Haupt. Dass ich nach der Geburt aufwache und Papa bin und durchtränkt von diesem Gefühl und überhaupt ein ganz neuer Mensch.

Ich bin noch der Alte. Aber Papa. Und das äussert sich in kleinen Dingen: Ich überlege mir zweimal, ob es wirklich nötig ist, in ein Auto zu steigen - mit dem Zug ist Reisen sicherer, eine Verantwortung nagt nämlich an der Stelle meiner Selbst, die sonst mein Leben als nebensächlich betrachtete. Jetzt bin ich davon erfüllt, finde darin Sinn, ich habe eine Aufgabe, die mich in den nächsten 20 Jahren fordern wird, daran ich mich messen kann. Hey, ich habe sogar der Gesellschaft gegenüber Verpflichtungen! Das kannte ich bis jetzt nicht, und ich hätte mir nie träumen lassen, wie sehr wildfremde Leute sich für unser Verhalten dem Kind gegenüber interessieren. Was wir mit Ruby machen, wie wir sie erziehen, was wir ihr erlauben, was sie denken und von der Welt halten darf - das ist ein öffentliches Interesse, sie wurde in eine Gesellschaft hineingeboren, nicht nur in eine neue Familie. Das war mir bis anhin nicht bewusst. Und Sina muss sich plötzlich vor Nachbarn rechtfertigen, die dem Kind lieber Orangensaft als bloss 5x am Tag Muttermilch geben möchten, weil das Kind mindestens alle zwei Stunden etwas zu trinken braucht sonst wird es… was eigentlich? Die kleine ist nämlich wach und munter und fröhlich und Sina macht alles so richtig wie es nur geht!

Mein Geburtstagstisch, von der liebreizenden Sina hergerichtet

(Oben hats ein Bild, worauf… naja, das war mein Geburtstag, der 17. Januar, ich wurde 23 und reich beschenkt, vorallem der abgebildete Gabentisch - von Meiner Liebsten gesponsert - hat mich gefreut und ich durfte einen ganzen Tag lang primadonnieren)Sina ist inzwischen aufgewacht, zu mir ins Bett geschlüpft und wieder eingeschlafen - ich werde sie wecken und schmusen.

Ruby wird geschmust