Das Wochenbett

Von Daren Thomas
Freitag, der 29.11.2002

Wo waren wir zuletzt? Beim Zetteli an der Tür: “Hier schläft eine Familie“. Wir zogen am nächsten Morgen in den 1. Stock, eine schöne Wohnung für bis zu zwei Wöchnerinnen mit Familie. Dazu: Bioknospenküche und Rundumdieuhrbetreuung durch die Hebammen des Delphys.

[Daren wickelt Ruby und sing den Song vom Baeren]Ich wurde der Bär. Während Sina sich von der Geburt erholte, fleissig Blut und Milch produzierte und an ihren Wunden genas, wiegelte der Bär das kleine Pünktli, wickelte und nuggelte es und sang immer wieder das Lied vom Bären:

dä Bär, dä Bär,
wo chunt dä her?
wo gaht dä hii?
dä Bär, dä Bär

dä Bär, dä Bär,
chunt vo Züri her.
zum Pünktli gaht
dä Bär dänk hii.

Es reichte mit der Zeit, Ruby bloss auf den Arm zu nehmen, damit alles wieder gut wurde, die schrecklichen Schmerzen des Lebens (Licht, Verdauung, Hunger, Kalt usw.) verblassten. Kleine Äuglein fielen zu und das schöne Gesicht eines schlafenden, unschuldigen Gewissens bohrte sich in die Rückseite meiner Augenlieder.

[Und das ist erst die Vorspeise...]

Wir wurden verköstigt, immer und immer wieder. Bis es mir fast peinlich wurde. Gottseidank ist die Köchin in den Ferien, dachte ich mir, weil Barbara, Helen und Cornelia in der Küche zauberten und wir mit zufriedenem lächeln unsere dicken Bäuche pflegten.

[Helen tischt auf]Auf dem Föteli links hat Helen nicht etwa einen Milchflecken, wie sie Sina zur Zeit produziert. Sondern das kommt von richtiger Küchenarbeit (Obwohl ich bemerken möchte, dass Milchflecken einiges mehr an Arbeit, Nerven und schierem Durchhaltewillen erfordern - Sina sollte also ruhig stolz auf sich sein!)

Heute, eine halbe Woche und mehr nach unserer Entlassung, sehne ich mich nach der Geborgenheit, der Ruhe und das Gefühl, der Zeit entrückt zu sein, die wir im Delphys genossen. Ich muss nun selber kochen, einkaufen, abwaschen, putzen, wickeln. Ich muss selber wissen, ob es Ruby gut geht oder nicht.

Es geht ihr gut. Gottseidank.

[Von links nach rechts: Luzia, Leo und Peter Vogel]Es geht auch Leo gut, wie ich heute in der Babymassage mit eigenen Augen sehen konnte: Er ist schon fast ein Riesenzwerg! Leo ist nämlich der kleine von Luzia und Peter, die mit uns das Wochenbett teilten. Sie halfen uns, die Zeit zu geniessen. Ich hoffe, wir konnten für sie dasselbe tun.