Die Geburt
Von Daren ThomasDienstag, der 19.11.2002
Ich habe etwas mit dem Datum dieses Artikels geschummelt. Darum, weil man sonst denken könnte, das gute Kind sei erst heute (28. November 2002) auf die Welt gekommen. Seit dem 19. habe ich nämlich alle Hände voll zu tun und konnte darum nicht gleich über die Geburt von Ruby Nina Redmann schreiben. Heute hole ich das nach.
Im Nebenzimmer stillt Sina die schöne Sachbetti gerade ein kleines Wesen, dass sich in mein Herz gefressen hat. Mit ihren kleinen Fingerchen krallt sie sich an meinem Fell fest, schaut mit tiefen Augen mir ins Gesicht und vertraut. Es ist wohl dieses Urvertrauen, das in mir väterliche Gefühle aufkeimen lässt. Irgendwie fühle ich mich von Tag zu Tag anders. Stärker. Ausgeglichener. Schöner.
Wer glaubt, eine Geburt beginnt mit einem Riesenstress, Taxi und Polizeiescorte, der schaut zuviel Fern. Am Dienstag Morgen kam Sina zu mir ins Zimmer und meinte bloss, die Fruchtblase sei geplatzt. Uns wurde im Geburtsvorbereitungskurs beigebracht, in diesem Falle sich umzudrehen und weiter zu schlafen. Das ging bei mir ganz gut, bei Sina etwas weniger, weil sie hatte ja auch ein wenig Wehen. Etwas später standen wir dann auf und nahmen unseren zMorgen ein. Wir machten uns frisch und bereiteten uns auf das schöne Fest vor. Ich fand Zeit auch für Albernheiten.
Um halb elf Uhr haben wir im Geburtshaus Delphys einen Untersuchungstermin bekommen. Kaum waren wir dort, ging es auch schon los: Die Wehen wurden heftiger, und ein Blick (Handgriff) später wusste die Hebamme: 5cm. Wir dürfen bleiben! Sina hatte insgeheim gehofft, es käme so und daher hatten wir unser ganzes Zeug gleich mitgepackt.
Sina hat fünf Stunden lang gepresst und geatmet. Die Details könnt ihr ja mündlich erfragen, für ein Glas Wein erzähle ich gerne Geschichten. Um 16:24 Uhr kam mit einem Schwall Fruchtwasser ein kleines glitschiges Etwas heraus. Ein Festnetzbaby: Das hing an einer Schnur! Ich griff mit beiden Händen zu, merkte, dass dieses zarte Wesen nicht gleich beim ersten Anfassen auseinander fällt und übergab es der erschöpften Mutter. So ganz genau weiss ich nicht mehr, was dann geschah, aber das Kind durfte eine Weile bei Sina bleiben, ehe es wieder mir gegeben wurde, während sich die Hebamme daran machte, die Mutter der kleinen zu verarzten. Da war Blut, das floss und hörte nicht auf. Da waren Risse, die genäht werden wollten. Und die Gebärmutter musste sich zusammenziehen, musste dazu gezwungen werden, es ist wichtig. Schmerzen, jetzt, wo doch alles vorbei schien, damit konnten wir nicht rechnen.
Inzwischen wurde das kleine Mädchen gewogen: 3.3kg. Kopfumfang: 34cm. Grösse: 50cm. Ein Zwergriese. Ein süsses Mädchen. Wie um alles in der Welt hatte es in Sinas Bauch Platz gefunden? Es wurde angezogen. Landete wieder bei mir. Ich sah in ihre Augen und verliebte mich.
Inzwischen war es schon neun Uhr abends. Wir riefen die nähere Familie an und sanken dann in einen tiefen Schlaf im Zimmer nebenan. Als ich am Morgen aufs WC musste, entdeckte ich an der Tür unseres Zimmers ein Post-It für die Putzfrau: “Hier schläft eine Familie”. So ist das nun. Ich habe jetzt meine eigene kleine Familie, zu der ich schauen will. Und ich gefalle mir in meiner neuen Rolle. Es scheint, diesmal habe ich etwas richtig gemacht: Die kleine Ruby Nina!