Warten auf Godot
Von Daren ThomasDienstag, der 12.11.2002
Was auch immer “Warten auf Godot” wirklich heisst: Was warten heisst weiss ich nun. Ich sitze wie auf Nadeln, schrecke beim leisesten Nokiageräusch auf und bin auch sonst in einem jämmerlichen Zustand: Schwarze Ringe unter den rot unterlaufenen Augen, leichenblasse Haut, fahrige Bewegungen, die von zitternden Händen herrühren. Natürlich: Ich bin erkältet!
Habe also die wahrscheinlich letzte Gelegenheit, mit Sina ins Kino (insomnia) zu gehen gegen ein Eukalyptusbad eingetauscht. Dafür gabs Pizza vom Kurier und Arabische Märchen (Ali der Meisterdieb.) Mir ist schlecht - das hat wohl damit zu tun, dass ich auf dem Heimweg noch zwei Sandwich verdrückte, Dr. Bui wird da seine Freude haben!
Und irgendwie schleicht die Zeit. Lautlos geht sie vorbei, grinst dafür langsam, frech, herausfordernd. Ich werde morgen natürlich pünktlich aufstehen, mich anziehen, duschen, rasieren, mich wieder umziehen (damit ich mit nassen Kleidern keinen Schnupfen hole - oh, das wirds wohl sein: Daher die laufende Nase, der Pelz auf den Stimmbändern…) und zur Arbeit schreiten. Ich werde den Kompi starten und warten.
Warten auf Godot. Eigentlich: Auf meine Tochter, In scha Allah kommt sie bald zu mir, dass ich sie an mein Herz drücken kann, vor Liebe ein Tümpel rhythmisch warmen Klopfens auf dem Parkett.
Und die Zeit wird schleichen. Ich werde so tun, als würde ich arbeiten. Ich werde mich selber überlisten. Vieleicht schlage ich auch bei Google nach, wer Godot ist. Eigentlich sollte ichs nachlesen, ich sollte eigentlich wissen bei wem. Ich sollte eine Meinung dazu haben, Godot. Aber das kann alles warten: Zuerst will ich Vater werden.